Treppen unter der Dachschräge richtig planen
Eine Treppe unter der Dachschräge ist technisch anspruchsvoller als eine freistehende Konstruktion im offenen Grundriss. Der begrenzende Faktor ist fast immer die verfügbare Raumhöhe an der Stelle, an der die Treppe ankommt. Wer die Steigung und die Auftrittstiefe festlegen will, muss zuerst die lichte Höhe zwischen Fertigfußboden und der Unterseite des Dachschrägenbalkens messen – und zwar an der niedrigsten Stelle des geplanten Treppenlaufs, nicht an der höchsten. Denn genau dort entsteht sonst das Problem: Zu steile Stufen führen zu einem unangenehmen Gangbild, zu flache Stufen fressen wertvollen Grundriss.
Für den Wohnbereich gelten Steigungen zwischen 17 und 19 Zentimetern als komfortabel, bei Platzmangel sind bis zu 20 Zentimeter vertretbar. Die Auftrittstiefe sollte mindestens 26 Zentimeter betragen, besser 28 bis 30 Zentimeter, damit der Fuß vollständig aufliegt. Diese Werte lassen sich nicht frei wählen, sondern ergeben sich aus der Schrittmaßregel: Auftrittstiefe plus doppelte Steigung soll zwischen 59 und 65 Zentimetern liegen. Unter einer Dachschräge mit geringer Höhe ist die Versuchung groß, die Steigung zu erhöhen und die Auftrittstiefe zu verringern. Das spart Laufweg, macht die Treppe aber steil und auf Dauer unsicher, besonders beim Hinabsteigen. Wer die tatsächlichen Maße von Treppe und Tür prüfen möchte, sollte das vor der Bestellung tun, denn nachträgliche Änderungen an der Konstruktion sind teuer und aufwendig.
Die Raumhöhe bestimmt auch die Anzahl der Stufen. Bei einer Geschosshöhe von 280 Zentimetern und einer Steigung von 18 Zentimetern ergeben sich rund 16 Steigungen. Eine gerade Treppe mit 16 Stufen à 28 Zentimetern Auftrittstiefe benötigt etwa 4,5 Meter Laufweg – in vielen Dachgeschossen nicht vorhanden. Deshalb kommen gewendelte oder podestierte Läufe zum Einsatz, bei denen die Stufen im Kurvenbereich schmaler ausfallen. Hier ist Vorsicht geboten: Die nutzbare Auftrittstiefe wird in der Gehlinie gemessen, nicht an der schmalsten Stelle. Unterschreitet sie 20 Zentimeter, wird die Treppe zur Stolperfalle. Eine gute Planung prüft deshalb zuerst den Grundriss, dann die Höhe und erst danach die Stufenform.
Ein weiterer Punkt betrifft den Kopfraum über der Treppe. Auch wenn die Steigung stimmt, muss zwischen einer Stufe und der darüberliegenden Decke oder Schräge eine lichte Höhe von mindestens 200 Zentimetern bleiben. Unter einer geneigten Dachfläche verschiebt sich dieser Wert mit jedem Schritt, weshalb die Treppe oft weiter in den Raum hineinrückt als zunächst gedacht. Wer frühzeitig alle relevanten Maße erhebt, vermeidet teure Fehlkäufe und kann die Treppe passgenau an die Dachschräge anpassen.